ds' Lerchefäud...

Geschichte des Lerchenfeld

(Teil 1: Frühzeit bis Kanderdurchstich und Aarekorrektion)

  

Um die Entstehung des Lerchenfeld-Quartiers zu verstehen muss man schon weit zurückblättern, Zwar nicht bis zu den Dinosauriern, aber doch über 11000 Jahre, bis nach der letzten Eiszeit. Denn erst nach dieser Zeit, nach der Moränenbildung der sich zurückziehenden Gletscher, floss die Kander durchs Glütschbachtal über Allmendingen, zwischen Uetendorf und dem Lerchenfeld in die Aare. Bei jedem Hochwasser überschwemmte die Kander mit viel Geschiebe die Thuner Allmend zum Teil bis nach Uttigen. Durch den Aarerückstau entstand in unserem Gebiet eine Sumpflandschaft mit Giessen (sumpfige Wasserläufe). Das Sumpffieber (Malaria) war stark verbreitet.

 

 

 

 

 


Plan 1) Ausschnitt aus dem Plan von Samuel Bodmer. Kander unterer Lauf vor 1711. Oben rechts die Brücke beim Zollhaus über die Kander. Nach links die heutige Allmendstrasse. Unten Mitte die Einmündung der Kander in die Aare, links fliesst die Zulg in die Aare. Im Zentrum des Ausschnitts das heutige Lerchenfeld und die Kleine Allmend. / Staatsarchiv des Kantons Bern, AA V Kander-Simme 1

 

Wahrscheinlich gab es beim Zollhaus schon im 13. oder 14. Jahrhundert eine Brücke über die Kander. Im Jahre 1486 liess die Stadt Thun eine neue Brücke über die Kander bauen. Teile des heutigen Restaurants Zollhaus stammen aus dem Jahre 1552. Es war während Jahrhunderten das einzige Gebäude im heutigen Lerchenfeld und auch weit und breit. Die Zollgebühren für eine Überquerung der Brücke betrug: 1 Pfennig pro Person, 2 Pfennige für ein Pferd, 4 Pfennige für ein beladenes Pferd und 6 Pfennige für einen Wagen.

 

 

 

 

 

 

 

Die Zollbrücke im Lerchenfeld 1717. Unten das Zollhaus, Mitte die Holzbrücke über die trockengelegte Kander.

Ausschnitt aus dem Plan von Samuel Bodmer. Staatsarchiv des Kantons Bern AA V 413

 

 

Der Kanderdurchstich

Nachdem die Kander immer wieder die Gebiete Gwatt, Allmendingen Thierachern, Uetendorf und bis nach Uttigen mit zum Teil verheerenden Überschwemmungen heimsuchte, bewilligten, nach mehrmaligen Eingaben, 1698 die Gnädigen Herren in Bern eine Projektierung die Kander durch den Strättlighügel in den Thunersee zu leiten. Dass die Seeseitigen Gebiete und  auch die Stadt Thun nicht begeistert waren lag auf der Hand. -  Aber das ist eine andere Geschichte.

1710 beauftragte die Kanderkommisssion, Artillerie Leutnant Samuel Bodmer von Amsoldingen und die Ingenieure Gross aus Bern und Morettini aus Locarno, ein Projekt auszuarbeiten. Samuel Bodmer wurde zum Generalaufseher gewählt. 

 

Dass das Vorhaben Kostenmässig total aus dem Ruder lief kennen wir ja auch bei        heutigen Projekten zur Genüge. Bodmer wollte die trocken gelegten Parzellen kostenbringend verkaufen und parzellierte diese mit Marchsteinen. Der Verkauf der Parzellen gelang Bodmer nicht. Der Boden war zu wenig fruchtbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Letzter noch vorhandener Marchstein von Samuel Bodmer gesetzt (1717) im

Chandergrienwald nähe Schlachthaus am Forstweg, hinter der 2. Ruhebank.

 

Anfänglich wollte man den Durchstich im Tagebau bewerkstelligen. Doch mit Schaufel und Pickel, Schubkarren und Hutten (Körbe) schritten die Arbeiten nur zaghaft voran. Wegen dem Villmergen-Krieg kamen die Arbeiten zum Erliegen und man zweifelte an der Vorgehensweise von Bodmer. Samuel Jenner vom Kanderdirektorium wollte den Durchstich auf Bergmännische Art, mit einem Stollen durchbohren und zwar auf eigene Rechnung. 1714 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Nachdem das Wasser der Kander und natürlich auch der Simme in den Stollen umgeleitet wurde, begann für die umliegenden Orte, der Stadt Thun und den Strättlighügel das Desaster das bis in die heutige Zeit nicht ganz behoben werden konnte (Hochwasser 1999 und 2005).- Aber auch das ist eine andere Geschichte.

1738 nach dem die Kander in den Thunersee floss wurde die Brücke beim

Zollhaus abgebrochen und beim heutigen Zulgübergang in Steffisburg 

Gemäde vom Baubeginn des Kanderdurchstichs durch                                            wieder aufgebaut. Die Brücke wurde 1937 durch die noch heutige

Samuel Bodmer, 1711.                                                                                       (nachträglich verstärkte) Holzbrücke ersetzt.

 

 

Ausschnitt aus dem Plan von Johann Adam Riediger. Das Gebiet der Thuner Allmend nach dem Durchstich durch den Strättlighügel und der „Trockenlegung“ der alten Kander. Oben rechts das Zollhaus. Mitte rechts die Rossweid, das heutige Lerchenfeld. Der im Plan eingezeichnete „Wald“ war wohl nur wildes Gestrüpp. Mitte, der Galgen der Stadt Thun (hochgericht). Links unten die Stadt Thun mit den zwei Aaren und dem Schloss.

Plan des alten Laufs der Kander samt Gegend von Thun 1716. Staatsarchiv des Kantons Bern AA V Kander-Simme 2

 

Verschiedene Aare Korrektionen

Nachdem die Kander unser Gebiet nicht mehr überschwemmen konnte wurde die Aare ab Thun zusehends zu einem Problemfall. Nach mehreren zum Teil untauglichen und halbherzigen Korrekturmassnahmen erhielt der Bezirkingenieur J. Zürcher 1871 den Auftrag die wilde Aare in die Schranken zu weisen und zu begradigen. Die Arbeiten dauerten 21 Jahre. Zur gleichen Zeit wurde auch die Eisenbahnstrecke von Thun nach Bern geplant und gebaut. Ein „Denkmal“ erinnert an der Aare bei der Schintere an J. Zürcher. (Bild)

 

 

Dies war definitiv die Voraussetzung, dass in der Rossweid die Möglichkeit entstand, Häuser zu bauen und den noch kargen Humus-Boden des ehemaligen Kandergeschiebe-Kegel, zu kultivieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Gedenkstein oder das Denkmal an der Aare bei der „Schintere“ für Ingenieur J. Zürcher. Die Inschrift lautet:

Der Gemeinnützigen Vereinigung der Uferanstösser und der Schweiz. Centralbahn-gesellschaft, mit Hülfe des Kanton Bern und der Schweiz. Eidgenossenschaft ist es

endlich gelungen unter der energischen Leitung und Aufsicht des Bezirksingenieurs Herrn J. Zürcher diesen verwilderten Flüssen einen geregelten Lauf und

den Ufern Schutz und Sicherheit zu geben. 1871-1892. 


Nächste Folge: Ein Quartier mit Dorfcharakter entsteht.

 

Quellennachweis:

 

Thomas Bögli,“ Der prägende Einfluss der KANDER auf die Region Thun“, Werd & Weber Verlag. Interessierten Lesern ist das Buch bestens empfohlen.


Sämtliche Versammlungsprotokolle wie auch Lerchenfädere sind im Stadtarchiv in Papierform deponiert und können dort eingesehen werden. Hier zum Glutschtigmachen zwei sehr alte Protokolle:

Protokoll der Leistversammlung 1921

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Protokoll Leistversammlung 21.12.1921.pd
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Protokoll der Leistversammlung 1915

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Protokoll Leistversammlung 06.03.1915.pd
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Strassenbeleuchtung ab 1909

„Was das Licht anbelangt, ist heute noch wenig Hoffnung vorhanden.“ ist dem Protokoll der Vorstandssitzung vom 8.8.1908 zu entnehmen. Die Versorgung des Quartiers mit Elektrizität beschäftigte den Lerchenfeld Leist demnach schon im Jahr seiner Gründung. Hoffnung kam tatsächlich ein Jahr später auf, als auf Einladung des Leists der Direktor der Licht- und Wasser-Werke Thun höchst persönlich die Hausbesitzer im Lerchenfeld über die Absichten der Stadt orientierte. Noch im gleichen Jahr verpflichteten sich die ersten 17 Hauseigentümer, die erforderlichen Installatio-nen für den Bezug von Elektrizität vornehmen zu lassen.

 

Am 9.12.1909 beschloss deshalb der Leist, beim Gemein-derat auch um Beleuchtung der Strassen entlang des Munitionsfabrikareals nachzusuchen. Vier Jahre später liess er ein Gesuch um Beleuchtung der Allmendstrasse und Uttigenstrasse folgen.

 

Wie haben wohl die ersten Strassenlampen im Lerchenfeld ausgesehen?

Hat jemand Bilder? Senden Sie diese bitte an info@lerchenfeldleist.ch oder Lerchenfeldleist, 3603 Thun und wir publizieren sie hier.