Anwohner wehren sich gegen das Quartierzentrum

Thuner Tagblatt, 29. 012021 / Gabriel Berger

 

Zentrum stösst auf Widerstand

Das geplante Quartierzentrum im Lerchenfeld steht im Gegenwind. Gegen das Vorhaben der Stadt, das frühere Feuerwehrmagazin umzunutzen, sind mehrere Einsprachen eingegangen.

Gabriel Berger

 

Ein Saal für Anlässe und eine Küche im Parterre. Sitzungs-, 

Das ehemalige, seit längerem ungenutzte Feuerwehrmagazin im Lerchenfeld                Begegnungsräume sowie ein ständiger Arbeitsplatz der

Die Profile verweisen auf die Dimension des geplanten neuen Quartierzentrums.         Stadtverwaltung im Obergeschoss. Zudem unterirdisch

(Foto Patric Spahni)                                                                                                                       angelegt eine Wertstoffsammelstelle. Dies ist - knapp zusammengefasst -, angelegt eine Wertstoffsammelstelle. Dies ist - knapp zusammengefasst -, was die Stadt Thun fürs neue Quartierzentrum im Lerchenfeld vorsieht. Hintergrund der Pläne sind die Sanierung und der Ausbau der Schulanlage Lerchenfeld. Sie machten es nötig, dass für das bisher dort stationierte Quartierzentrum ein anderer Standort gesucht werden musste (wir berichteten).

In den vergangenen Wochen lag das Baugesuch für den Umbau und die Aufstockung des ehemaligen Feuerwehrmagazins an der Lerchenfeldstrasse nun öffentlich auf. Zuvor hatte der Thuner Stadtrat im Oktober bereits einen Kredit von 1,59 Millionen Franken für die Umnutzung des Magazins in ein Quartierzentrum genehmigt. Es handelt sich beim Betrag um den Anteil der Neuinvestitionen am Projekt.

 

Grösse des Zentrums gerügt

Während das Vorhaben im Stadtparlament einstimmig gutgeheissen wurde, sieht die Gefühlslage im Quartier selbst etwas anders aus. «Bei uns sind vier Einsprachen eingegangen, darunter eine Kollektiveinsprache mit 42 Unterzeichnern», sagt der Thuner Regierungsstatthalter Marc Fritschi auf Anfrage. «Hauptsächlich gerügt werden die Grösse des geplanten Gebäudes, die Einpassung ins Quartier, die zu kleine Zahl der Parkplätze, die Platzierung der Altstoffsammlung.»

 

Anwohner sind unzufrieden

Zu den Einsprechern gehören auch Reinhard Urfer und Sepp Stoller. Sie wohnen beide in der unmittelbaren Nachbarschaft des Feuerwehrmagazins. Urfer ist zudem der Urheber der Kollektiveinsprache: Er weibelte Anfang Jahr im Quartier dafür, sich gegen den Umbau zu wehren. Aus seiner Sicht entspricht das Zentrum schlicht nicht den Vorschriften, die gemäss dem Thuner Baureglement im Strukturgebiet S 1 gelten. Demnach müssten Gebäude eine Grundfläche aufweisen, die kleiner ist als 150 Quadratmeter, sowie eine Gebäudelänge kleiner als 15 Meter. Beim Zentrum liegen diese Kennzahlen indes bei 237 Quadratmeter und 21,75 Meter. Der Artikel im Baureglement zum Strukturgebiet S 1 sei «sehr dehnbar» und deshalb auf unterschiedliche Art zu interpretieren. «Das macht sich die Stadt hier zunutze», findet Urfer, der weiter moniert, dass die unterirdische Sammelstelle den vorgeschriebenen Grenzabstand zum Nachbargrundstück nicht einhalte. Auch hierzu gebe es im Gesetzestext widersprüchliche Angaben.

 

Sepp Stoller wiederum, der direkt hinter dem heutigen Feuerwehrmagazin wohnt, erwähnt, dass die Stadt bei der Vorstellung des Projekts ihm gegenüber von «stillem Gewerbe» gesprochen habe. «Bei einem Jugend- und Partyraum mit einer grossen Fensterfront in Richtung meines Grundstücks ist dies wohl aber kaum der Fall - besonders im Sommer», sagt Stoller. Sowohl er als auch Urfer fragen sich überdies, wo die künftigen Nutzerinnen und Nutzer des Zentrums parkieren werden, zumal der heutige Rangierparkplatz vor dem Magazin verloren gehe. Sie befürchten wildes Parkieren in Vorgärten und auf privaten Grundstücken.

 

Stadt steht vor einem Rätsel

Ohne den genauen Inhalt der Einsprachen zu kennen, kommen diese für Gemeinderat Konrad Hädener (CVP) nicht völlig überraschend. «Bemerkenswert ist allerdings der Umstand, dass uns auch die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Quartierleist in der Vorbereitung und Ausgestaltung des Projekts nicht vor einer breiteren Opposition aus dem Quartier im Baubewilligungsverfahren bewahrt», so der Thuner Bauvorsteher. Die Stadt rätsle aktuell, «was wir anders hätten machen sollen oder können».

Da das geplante Zentrum auf den Grundmauern eines bestehenden Gebäudes realisiert werde, könne der Grundriss nicht einfach beliebig geändert werden. «Eine Redimensionierung der Gebäudehöhe würde einen Verzicht auf das Obergeschoss bedeuten. In einem eingeschossigen Bau können wir das Raumprogramm unmöglich unterbringen», so Hädener. Konfrontiert mit dem Vorwurf, die Stadt «dehne» die städtische Bauordnung zu ihren eigenen Gunsten, entgegnet Hädener: «Dem ist nicht so. Wir halten uns an unsere Bauvorschriften.»

Als Nächstes wird Regierungsstatthalter Marc Fritschi die Einsprachen der Stadt für eine Stellungnahme und für allfällige Anpassungen zusenden. «Ob wir Einspracheverhandlungen durchführen, ist noch offen», sagt Fritschi.


Neues Zentrum im Feuerwehrmagazin

Das Lerchenfeld erhält sein neues Quartierzentrum

Thuner Tagblatt, 23.10.2020 / Michael Gurtner

So wie auf dieser Visualisierung soll das Quartierzentrum Lerchenfeld dereinst aussehen. Foto: PD

 

Stadtrat (2) Das Thuner Parlament sprach 1,59 Millionen Franken - nun soll das ehemalige Feuerwehrmagazin im Lerchenfeld bis Mitte 2022 in ein Quartierzentrum umgebaut werden.

 

Ein neues Quartierzentrum an einem für das Lerchenfeld zentralen Standort: Um dieses Projekt ging es am Donnerstagabend im Thuner Stadtrat. Die Pläne sind eine Folge davon, dass die Schulanlage Lerchenfeld saniert und ausgebaut werden soll. Dafür braucht es Platz - und diesen gibt es für das heutige Quartierzentrum auf dem Schulareal nicht mehr. Hingegen besteht an der Lerchenfeldstrasse 34a ein altes Magazin der Feuerwehr, das von dieser seit 2001 nicht mehr benützt wird. Dort soll nun also ein neues Quartierzentrum entstehen - ein Begegnungsort für Jung und Alt und Menschen aus allen Kulturkreisen. Ein Gebäude mit einem Hauptraum für Anlässe im Erdgeschoss, mit Sitzungs- und Begegnungsräumen sowie einem ständigen Arbeitsplatz der Stadtverwaltung im Obergeschoss. Das alles in einfachen, multifunktional nutzbaren Räumen. Kostenpunkt: 1,89 Millionen Franken. Im Stadtrat ging es um den Anteil an reinen Neuinvestitionen im Umfang von 1,59 Millionen.

 

«Kein Schnäppchen»

Das sei «kein Ausverkaufsangebot, kein Schnäppchen», war sich Bauvorsteher Konrad Hädener (CVP) bewusst. Das bisherige Angebot der Kinder- und Jugendarbeit im Zentrum habe sich aber bewährt und solle etwa im Bereich Altersarbeit ergänzt werden. Hädener betonte die enge Zusammenarbeit mit dem Lerchenfeld-Leist - einen anderen Standort als den vorliegenden habe man bei der gemeinsamen Suche nicht gefunden.

 

«Es ist eine Chance, das Quartier weiter zu beleben und den Zusammenhalt der Bewohnerinnen und Bewohner zu stärken», sagte Michelle Marbach (Grüne/Junge Grüne). Die Fraktion GLP/BDP liess sich laut Nicole Krenger von der Stadtverwaltung auf Nachfrage bestätigen, dass die Auslastung des Quartierzentrums heute gut sei. «Wir stimmen zu, auch wenn das Preisschild hoch ist.» Wie weitere Sprecherinnen und Sprecher wies Krenger darauf hin, dass das Projekt in anderen Quartieren Begehrlichkeiten wecken könnte. Dazu stellte Philipp Deriaz (SVP) fest: «Das Lerchenfeld hat in Eigeninitiative die Grundlage für das Quartierzentrum gelegt.» Der Milizgedanke sei sehr wichtig. Auch für Alois Studerus (Fraktion CVP/EVP/EDU) ist klar, dass das Zentrum einzigartig sei und explizit zum Lerchenfeld gehöre. Für ihn ist auch der zusätzliche Fokus auf die Altersarbeit wichtig.

 

Hanspeter Aellig (FDP) nannte das Projekt schlicht «stimmig und nachvollziehbar». Von einem «sehr guten Standort» sprach derweil Adrian Christen (SP). Und: «Wir unterstützen die Idee, dass neben der Kinder- und Jugendarbeit neue Angebote entstehen und das Zentrum für alle Bewohnerinnen und Bewohner des Lerchenfelds offen ist.»

Der Stadtrat bewilligte den Kredit einstimmig. Laut den Stadtratsunterlagen geht der Gemeinderat davon aus, dass im März 2021 die Baubewilligung vorliegen und im Juni der Baustart erfolgen könnte. Mitte 2022 soll das neue Quartierzentrum in Betrieb genommen werden.

 

 


Thuner Tagblatt, 08.10.2020 / Barbara Schluchter-Donski

 

Um im Lerchenfeld genügend Platz für die Erweiterung der Schulanlage zu schaffen, will die Stadt das Quartierzentrum ins ehemalige Feuerwehrmagazin verlegen.

Der Gemeinderat hat in diesem Jahr die Stossrichtung der städtischen Schulraumplanung definiert (wir berichteten). Eines dieser Projekte ist die Sanierung und Erweiterung der Schulanlage Lerchenfeld: «Hier spielen gleich alle wichtigen Faktoren eine Rolle, dass das Projekt prioritär behandelt werden muss», sagt dazu der Thuner Bauvorsteher Konrad Hädener (CVP). «So weisen insbesondere das alte Schulhaus, der Mittelbau mit der Turnhalle und die zwei Kindergärten grössere bauliche Defizite auf.» Hinzu kämen die veränderten Unterrichtsmethoden wie der Lehrplan 21 und die zu erwartende Siedlungsentwicklung im Norden des Quartiers.

Gemäss einer gestrigen Medienmitteilung der Stadt läuft derzeit eine Machbarkeitsstudie, um den genauen Platzbedarf und weitere Punkte im Detail zu prüfen. So ist unter anderem geplant, den Jugend- und Quartiertreff Lerchenfeld, der sich heute auf dem Schulareal befindet, zu verlegen und damit Platz für eine bessere und effizientere Anordnung der Schulräume zu schaffen.

 

Begegnungsort für alle

«Als geeigneter Standort für das neue Quartierzentrum erweist sich das ehemalige Feuerwehrmagazin an der Lerchenfeldstrasse 34a», schreibt die Stadt in ihrer Medienmitteilung. Das Gebäude wird von der Feuerwehr seit 2001 nicht mehr aktiv genutzt. Aktuell befinden sich darin eine öffentliche Toilette, eine Trafostation und eine private Garage.

«Das neue Quartierzentrum soll vom Jugendtreff zu einem Ort der Begegnung für alle Menschen im Lerchenfeld werden», so die Stadt. Verschiedene Interessengruppen, die das Leben im Quartier mitgestalten wollen, sollen hier Raum finden. Die Nutzung reicht vom Familienfest über Integrationsangebote bis hin zur Beratung. Einen Teil der Räume will die Stadt vermieten. Sie stehen der ganzen Bevölkerung zur Verfügung.

Als Dreh- und Angelpunkt ist im Quartierzentrum ein ständiger Arbeitsplatz der Stadtverwaltung vorgesehen, so wie es diesen bereits am alten Standort gab: Eine Sozialarbeiterin oder ein Sozialarbeiter werden dort mithilfe der Vereine die Belegung organisieren sowie die Kontakte mit der Nachbarschaft pflegen.

 

Multifunktionale Räume

Für die Umnutzung des Feuerwehrmagazins muss das bestehende Gebäude aufgestockt werden. Im Erdgeschoss sind eine Küche, ein grosser Saal für Anlässe und eine öffentliche Toilette geplant, während im Obergeschoss das Büro sowie die Sitzungs- und Begegnungsräume untergebracht werden.

«Das Quartierzentrum soll sich flexibel nach den effektiven und sich wandelnden Bedürfnissen richten können», steht weiter geschrieben. Deshalb seien einfache und multifunktionale Räume mit verschiebbarem Mobiliar vorgesehen, die auch mehrere verschiedene parallele Nutzungen möglich machen sollen. Der Aussenraum wird mit einer Sitzgelegenheit ausgestattet, kann aber bei Bedarf auch stärker möbliert werden. Die Heizenergie des Gebäudes ist mit einer Erdwärmepumpe und einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach geplant. Die bestehende Entsorgungsanlage soll unterirdisch verlegt werden.

 

Bezug im Sommer 2022

Die Kosten für die Umnutzung belaufen sich auf 1,89 Millionen Franken, wie die Stadt schreibt. Die Kosten für die Unterfluranlage betragen zusätzliche 100'000 Franken. Am 22. Oktober befindet der Stadtrat über den Verpflichtungskredit von 1,59 Millionen Franken.

Im Frühjahr 2021 soll das Baubewilligungsverfahren eingeleitet werden. Der Baubeginn ist per Sommer 2021 und der Bezug im Sommer 2022 vorgesehen. Danach können die Räumlichkeiten im Schulhaus Lerchenfeld durch die Tagesschule genutzt werden.

 

Grosser Unmut im Quartier

Die Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten der Schule sollen zwischen 2025 und 2027 stattfinden. Dass es weitere sieben Jahre dauert, bis die Schule saniert ist, stösst im Quartier auf viel Unmut. An der Leistversammlung Mitte September sprach eine Mutter gar von einem «Debakel». Die Stadt wurde aufgefordert, die Arbeiten früher an die Hand zu nehmen. Thomas Zumthurm, der Leiter des Amts für Stadtliegenschaften, gestand an diesem Abend ein, dass die Planung «nicht rechtzeitig» angelaufen sei.