Neues Zentrum im Feuerwehrmagazin

Thuner Tagblatt, 08.10.2020 / Barbara Schluchter-Donski

 

Um im Lerchenfeld genügend Platz für die Erweiterung der Schulanlage zu schaffen, will die Stadt das Quartierzentrum ins ehemalige Feuerwehrmagazin verlegen.

Der Gemeinderat hat in diesem Jahr die Stossrichtung der städtischen Schulraumplanung definiert (wir berichteten). Eines dieser Projekte ist die Sanierung und Erweiterung der Schulanlage Lerchenfeld: «Hier spielen gleich alle wichtigen Faktoren eine Rolle, dass das Projekt prioritär behandelt werden muss», sagt dazu der Thuner Bauvorsteher Konrad Hädener (CVP). «So weisen insbesondere das alte Schulhaus, der Mittelbau mit der Turnhalle und die zwei Kindergärten grössere bauliche Defizite auf.» Hinzu kämen die veränderten Unterrichtsmethoden wie der Lehrplan 21 und die zu erwartende Siedlungsentwicklung im Norden des Quartiers.

Gemäss einer gestrigen Medienmitteilung der Stadt läuft derzeit eine Machbarkeitsstudie, um den genauen Platzbedarf und weitere Punkte im Detail zu prüfen. So ist unter anderem geplant, den Jugend- und Quartiertreff Lerchenfeld, der sich heute auf dem Schulareal befindet, zu verlegen und damit Platz für eine bessere und effizientere Anordnung der Schulräume zu schaffen.

 

Begegnungsort für alle

«Als geeigneter Standort für das neue Quartierzentrum erweist sich das ehemalige Feuerwehrmagazin an der Lerchenfeldstrasse 34a», schreibt die Stadt in ihrer Medienmitteilung. Das Gebäude wird von der Feuerwehr seit 2001 nicht mehr aktiv genutzt. Aktuell befinden sich darin eine öffentliche Toilette, eine Trafostation und eine private Garage.

«Das neue Quartierzentrum soll vom Jugendtreff zu einem Ort der Begegnung für alle Menschen im Lerchenfeld werden», so die Stadt. Verschiedene Interessengruppen, die das Leben im Quartier mitgestalten wollen, sollen hier Raum finden. Die Nutzung reicht vom Familienfest über Integrationsangebote bis hin zur Beratung. Einen Teil der Räume will die Stadt vermieten. Sie stehen der ganzen Bevölkerung zur Verfügung.

Als Dreh- und Angelpunkt ist im Quartierzentrum ein ständiger Arbeitsplatz der Stadtverwaltung vorgesehen, so wie es diesen bereits am alten Standort gab: Eine Sozialarbeiterin oder ein Sozialarbeiter werden dort mithilfe der Vereine die Belegung organisieren sowie die Kontakte mit der Nachbarschaft pflegen.

 

Multifunktionale Räume

Für die Umnutzung des Feuerwehrmagazins muss das bestehende Gebäude aufgestockt werden. Im Erdgeschoss sind eine Küche, ein grosser Saal für Anlässe und eine öffentliche Toilette geplant, während im Obergeschoss das Büro sowie die Sitzungs- und Begegnungsräume untergebracht werden.

«Das Quartierzentrum soll sich flexibel nach den effektiven und sich wandelnden Bedürfnissen richten können», steht weiter geschrieben. Deshalb seien einfache und multifunktionale Räume mit verschiebbarem Mobiliar vorgesehen, die auch mehrere verschiedene parallele Nutzungen möglich machen sollen. Der Aussenraum wird mit einer Sitzgelegenheit ausgestattet, kann aber bei Bedarf auch stärker möbliert werden. Die Heizenergie des Gebäudes ist mit einer Erdwärmepumpe und einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach geplant. Die bestehende Entsorgungsanlage soll unterirdisch verlegt werden.

 

Bezug im Sommer 2022

Die Kosten für die Umnutzung belaufen sich auf 1,89 Millionen Franken, wie die Stadt schreibt. Die Kosten für die Unterfluranlage betragen zusätzliche 100'000 Franken. Am 22. Oktober befindet der Stadtrat über den Verpflichtungskredit von 1,59 Millionen Franken.

Im Frühjahr 2021 soll das Baubewilligungsverfahren eingeleitet werden. Der Baubeginn ist per Sommer 2021 und der Bezug im Sommer 2022 vorgesehen. Danach können die Räumlichkeiten im Schulhaus Lerchenfeld durch die Tagesschule genutzt werden.

 

Grosser Unmut im Quartier

Die Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten der Schule sollen zwischen 2025 und 2027 stattfinden. Dass es weitere sieben Jahre dauert, bis die Schule saniert ist, stösst im Quartier auf viel Unmut. An der Leistversammlung Mitte September sprach eine Mutter gar von einem «Debakel». Die Stadt wurde aufgefordert, die Arbeiten früher an die Hand zu nehmen. Thomas Zumthurm, der Leiter des Amts für Stadtliegenschaften, gestand an diesem Abend ein, dass die Planung «nicht rechtzeitig» angelaufen sei.