Die Verlandung soll gestoppt werden

Thuner Tagblatt, 02. September 2021, Andreas Tschopp

 

Der Grundwasserweiher im Naturschutzgebiet Schintere im Lerchenfeld wird vergrössert und aufgewertet - wenn es nach den Plänen von Pro Natura Bern geht.

In der Schintere im Thuner Lerchenfeld entstand vor Jahrzehnten durch Kiesabbau nahe der Aare ein Grundwasserweiher von etwa 60 auf 30 Metern. Dessen Sohlentiefe liegt so, dass das Gewässer im Winter bei sinkendem Grundwasserstand regelmässig austrocknet. So bleibt der Weiher fischfrei und bietet damit ideale Bedingungen für die Fortpflanzung von Amphibien, vorab für den stark gefährdeten Laubfrosch.

Im Grundwasserweiher, der gut versteckt im Dickicht des Waldes liegt und nur knapp vom Aareuferweg aus ersichtlich ist, soll nun die Verlandung gebremst und die Wasserfläche wieder vergrössert werden. Dazu ist das Abtragen von organischem Material am Westende des Weihers und dessen Umlagerung an den westlichen Böschungsfuss vorgesehen.

 

Weiher mit Laubfröschen

Über das Projekt orientierte vor Ort Verena Wagner, die Schutzgebietsverantwortliche und Präsidentin von Pro Natura Bern. Die Naturschutzorganisation konnte vor rund zwanzig Jahren das 3,5 Hektaren grosse Gelände zwischen dem Franzosenweg im Lerchenfeld und der Fuss- und Veloverbindung über den Aaresteg nach Steffisburg vom VBS erwerben. Bis 2007 wurden in Etappen fünf neue, ablassbare Weiher erstellt, von denen einer für die Öffentlichkeit immer zugänglich ist. Da können im Frühling jeweils auch Laubfrösche beobachtet werden.

Wie Verena Wagner ausführte, wurden ein hydrogeologisches und ein botanisches Gutachten erstellt vor der Eingabe des Baugesuchs, das bis zum 6. September auf dem Bauinspektorat der Stadt Thun aufliegt. Es fanden auch Vorbesprechungen statt mit Vertretern der Stadt und kantonalen Stellen. Im Projekt ist zudem eine Ausholzung vorgesehen in der Umgebung des Grundwasserweihers, um die Sonneneinstrahlung aufs Gewässer zu erhöhen.

 

Rund 50’000 Franken

Im Zuge der Bauarbeiten, die in der natürlichen Ruhephase im Winter stattfinden sollen, sind weiter noch die Neugestaltung eines älteren Weihers, der stark mit Schilf überwachsen ist, und Aufwertungsmassnahmen für Wildbienen am Südrand des Schutzareals geplant.

Die Kosten für die Arbeiten, die ein spezialisiertes Unternehmen ausführen soll, werden von Verena Wagner auf 40’000 bis 50’000 Franken beziffert. Die Präsidentin von Pro Natura Bern hofft zur Kostendeckung auf Beiträge der öffentlichen Hand und aus dem Ökofonds der Energie Thun AG.

 

Zwergzebus neu im Gwattmoos

Im Gwattmoos, einem weiteren Naturschutzgebiet von Pro Natura in Thun, weiden dieses Jahr Zwergzebus und Schottische Hochlandrinder statt der bisherigen Wasserbüffel. Für Letztere müsse ein neuer Tierhalter gesucht werden, sagt Verena Wagner. Denn nur die Wasserbüffel können stark wachsende Schilfbestände in Schach halten. Die Notlösung mit anderen Vierbeinern erwies sich gemäss Wagner aber als Glücksfall und soll weitergeführt werden. Im besten Fall würden daher nächsten Sommer Wasserbüffel, Hochlandrinder und Zwergzebus im Gwattmoos zu sehen sein. (atp)

Vandalen zündeten Plakate an

9.Februar 2021 Thun Tagblatt, Janine Zürcher

 

Im Naturschutzgebiet Schintere von Pro Natura Bern haben Unbekannte ihr Unwesen getrieben.

Die verkohlten Reste der Plakate von Pro Natura Bern hingen auch gestern Nachmittag noch an den Bäumen im Lerchenfelder Naturschutzgebiet Schintere. Zum wiederholten Mal haben dort am Wochenende Vandalen gewütet und das Eigentum der Naturschutzorganisation zerstört. Verena Wagner, Präsidentin von Pro Natura Bern, berichtet von zahlreichen weiteren Beispielen von Vandalismus im rund drei Hektaren grossen Gebiet zwischen Aare und Bahnlinie. Das Gebiet ist seit 2001 im Besitz der Organisation. «Es werden etwa Bäume gefällt, oder Totholz wird entwendet», schildert Wagner. Auch Sitzbänke aus Holz haben zerstörungswillige Zeitgenossen schon mutwillig beschädigt, und Müll liege teilweise massenhaft im Gebiet herum. Nun prüft Pro Natura Möglichkeiten, um gegen die unbekannte Täterschaft vorzugehen.

 

«Solche Vorfälle verursachen einen enormen Aufwand»

Am Wochenende haben Unbekannte im Gebiet Schintere im Lerchenfeld Eigentum von Pro Natura zerstört. Die Organisation will Konsequenzen ziehen.

Es ist ein idyllischer Ort, der sich auf rund drei Hektaren zwischen der Aare und der Bahnlinie im Lerchenfeld erstreckt: das Naturschutzgebiet Schintere, Eigentum von Pro Natura Bern. Neben Waldfläche umfasst das Areal auch einen abgesperrten Bereich, der Lebensraum für Laubfrösche und zahlreiche andere Amphibien und Insekten bietet. Ausserdem gehört ein öffentlich zugänglicher Platz mit einem Weiher, Trockenmauern und mehreren Sitzbänken zum Schutzgebiet.

Doch immer wieder kommt es auf dem Grund und Boden von Pro Natura Bern zu Zwischenfällen. Auch am letzten Wochenende, wie Verena Wagner, Präsidentin von Pro Natura Bern, gestern Nachmittag bei einem Rundgang über das Areal erzählt. «Unbekannte haben Plakate, die wir an einigen Bäumen entlang des Waldweges angebracht haben, angezündet», sagt sie und zeigt auf die verkohlten Überreste der Schilder. Sie verweisen darauf, dass der Wald Eigentum der Organisation ist und nicht betreten werden sollte.

 

Bäume gefällt

Genau dies geschehe jedoch immer wieder, sagt Wagner. «Mehrmals schon riefen mich Spaziergänger an und informierten mich darüber, dass sie Leute beobachtet hätten, die in unserem Wald Bäume fällen und diese abtransportieren.» Auch Totholz, das Pro Natura absichtlich im Wald liegen lässt, um neue Lebensräume für Tiere zu schaffen, werde entwendet.

Ein Metallschild mit Informationen zum Schutzgebiet, das die Organisation im letzten Frühling beim Aaresteg platziert hatte, sei nach wenigen Wochen spurlos verschwunden. Und herumliegenden Müll würden freiwillige Helfer jeweils tütenweise einsammeln.

 

Platz soll geöffnet bleiben

Rund um den öffentlichen Bereich gibt es ebenfalls Probleme. Die Sitzbänke aus Holz wurden im letzten Jahr ersetzt, weil sie, so Wagner, zerstört worden waren. Auch würden - teils grosse und schwere - Steine aus den Trockenmauern in den Teich geworfen. «Wir möchten den Platz nicht absperren und damit eine Mehrheit von friedlichen Besuchern bestrafen, nur weil ein paar Einzelne sich nicht respektvoll verhalten», sagt die Natur- und Umweltfachfrau. «Doch solche Vorfälle verursachen enormen Aufwand, zeitlich und finanziell.» Für die Pflege und den Unterhalt des Schutzgebiets werden im Übrigen jährlich rund 200 Stunden Freiwilligenarbeit geleistet.

Besonders im vergangenen Jahr habe Pro Natura mehr derartige Vorfälle registriert als in anderen Jahren. «Durch den Lockdown zog es wohl noch mehr Menschen nach draussen in die Natur. Das ist an und für sich gut - solange nichts beschädigt wird.»

 

Kommt es zur Anzeige?

Sie wünsche sich, sagt Verena Wagner, dass mehr Passantinnen und Passanten, die Übeltäter beobachteten, eingreifen oder sie informieren würden. Im Hinblick auf den Vorfall vom Wochenende wolle Pro Natura Bern Konsequenzen ziehen: «Wir prüfen nun, ob wir Anzeige gegen unbekannt erstatten.»

Janine Zürcher