Verein leihbar Lerchenfeld

Bericht Thuner Tagblatt 09.01.2020 von Marc Imboden

Im Lerchenfeld gibt es seit kurzem eine Leihbar, wo man Dinge ausleihen kann, die man nur selten benutzt.

 

Was haben ein Zelt, eine Bohrmaschine und ein Waffeleisen gemeinsam? Sie werden äusserst selten benutzt und liegen in der restlichen Zeit herum, belegen Stauraum oder setzen Staub an. «Nur 20 Prozent der Gegenstände, die Leute besitzen, sind wirklich im Einsatz», steht auf der Website von Leihbar.ch in Bern. Es handelt sich dabei um ein Projekt des Konsumentenschutzes, das nach folgendem Prinzip funktioniert: Man stöbert online im Sortiment, das in zwölf Bereiche gegliedert ist: von Assistenztechnologie über medizinische Ausrüstung bis Werkzeuge. Dann registriert man sich online und sucht als nächstes die nicht virtuelle Leihbar auf, wo man seinen Jahresbeitrag bezahlt und nach Herzenslust Gegenstände ohne weitere Kosten ausleihen kann.

 

Es begann mit Büchern

Unter dem Namen «Lerchenfeld kostbar» haben Elisabeth und Michael Krayenbühl in der Garage ihres Hauses etwas Ähnliches ins Leben gerufen. «Vor zwei Jahren eröffnete eine Freundin von mir in Burgdorf einen Secondhand-Buchladen und fragte mich nach Büchern, die ich nicht mehr brauche. Das könnte ich doch auch, sagte ich mir, und erhielt schon bald aus einem Nachlass Hunderte Bücher», erinnert sich Elisabeth Krayenbühl an die Anfänge vor rund zwei Jahren. Die Suche nach einem geeigneten Lokal mit einer bezahlbaren Miete gestaltete sich aber schwierig, und so blieb es einstweilen bei der Idee. «Doch im Herbst las ich einen Artikel über die Leihbar in Bern und entschloss mich, meine Bücher mit Alltagsgegenständen zum Ausleihen zu ergänzen und Lesbar und Leihbar vorerst in der Garage und dem Schopf neben unserem Haus am Dählenweg 16 im Lerchenfeld unterzubringen.» Und weil aller guten Dinge bekanntlich drei sind, kam noch Tablar dazu: «Vier Tablare, auf denen Hobbykünstler aus dem Quartier ihre Produkte ausstellen können.»

 

Ausstechen bis Zügelwägeli

Krayenbühls Leihbar umfasst zurzeit rund 90 Artikel, die fast alle aus dem eigenen Haushalt stammen. Da gibt es spezielle Werkzeuge, Gartengeräte, Kabelrollen, Küchenartikel und -geräte. Aufgeführt sind sie im Internet unter www.lerchenfeld-kostbar.ch, wo man sie reservieren und am Dienstag von 18 bis 19 Uhr und am Donnerstag von 14 bis 18.30 Uhr abholen kann. Wer dem Verein Leihbar Lerchenfeld beitritt und den Jahresbeitrag von 50 Franken pro Person oder Haushalt bezahlt, kann von A wie Ausstechformen bis Z wie Zügelwägeli nach Herzenslust ausleihen und den Pool mit eigenen, selten benutzten Gegenständen ergänzen. Im Angebot ist auch ein Schnupperabonnement, das für einen Monat 10 Franken kostet. «Die Leihbar soll zuerst einmal im Quartier funktionieren, wir sind jedoch auch offen für Kunden von ausserhalb. Und das Interesse ist klar vorhanden», sagt Elisabeth Krayenbühl. Falls der Raum in Garage und Schopf zu knapp werden sollte, hat die Kostbar-Gründerin bereits ein anderes Lokal im Auge: «Die alte Post im Lerchenfeld steht seit langem leer und wäre ideal!»

 

Unterstützung von der Stadt

«Wir unterstützen alles, was zur Reduktion des Abfalls beiträgt, also auch die Leihbar im Lerchenfeld», sagt Rachel Neuenschwander, Abfallberaterin der Stadt Thun. «Wenn zum Beispiel Leute in unseren Sammelhof kommen, die ein noch funktionierendes Gerät abgeben möchten, verweisen wir sie an die Leihbar.» Der Stadt fehle die Kapazität, selber eine Leihbar in grösserem Stil aufzuziehen - «auch wenn dies eigentlich wünschenswert wäre im Sinne eines ständigen Bring- und Holtages, den wir zusammen mit den umliegenden Gemeinden regelmässig durchführen», wie Rachel Neuenschwander weiter ausführt. Zur Reduktion des Abfallmenge organisiert die Stadt Thun zudem den Spielzeugflohmarkt von und für Kinder und rief im Herbst 2018 die Aktion Blumentöpfe ins Leben. «In dieser Jahreszeit bringen viel Leute ihre nicht mehr benötigten Blumentöpfe in den Sammelhof. Mit ihrem Einverständnis boten wir die Töpfe gratis an und waren vom Erfolg dieser Aktion sehr überrascht.» Die Stadt kreierte damit eine typische Win-win-Situation: Die einen Leute mussten keine Entsorgungsgebühr bezahlen, die anderen brauchten kein Geld für neue Töpfe auszugeben, und zudem wurde die Umwelt geschont. Die Aktion findet auch in diesem Jahr wieder statt. (mi)